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Professor Thomas Hutzschenreuter: „Die häufigste Ursache des Scheiterns ist mangelnde Vorbereitung.“

Professor Thomas Hutzschenreuter, Inhaber des Lehrstuhls für Strategisches und Internationales Management an der TU München, legt mit „Scharfstellen“ ein Buch vor, das sich bewusst an ein breites Publikum richtet. Statt abstrakter Modelle stehen sieben zeitlose Prinzipien im Mittelpunkt, die er als Fragen formuliert – eine Art Werkzeugkasten für strategisches Denken in einer zunehmend unsicheren Welt.


Im Gespräch mit ALETHEA TALKS betont Hutzschenreuter, dass diese Prinzipien für jede Lebensphase und jede Generation gelten, auch für die Generation Z. Den Ausgangspunkt bildet für ihn  die Frage: Was will ich eigentlich? Erst wenn diese Klarheit besteht, liessen sich die weiteren Schritte sinnvoll ordnen. Er übt deutliche Kritik am deutschen Bildungssystem, das seiner Ansicht nach zu sehr auf Wissensvermittlung und zu wenig auf das Lösen komplexer Probleme unter Unsicherheit ausgerichtet ist. Ebenso skeptisch zeigt er sich gegenüber schnellen Erfolgsversprechen in den sozialen Medien. Scheitern betrachtet er als wertvolle Lernchance, vorausgesetzt man analysiert die eigenen Fehler ehrlich. Ethik und Erfolg sieht Hutzschenreuter nicht im Widerspruch: Solange niemand geschädigt wird, seien ambitionierte Ziele legitim. In der aktuellen wirtschaftlichen Stagnation macht er vor allem politische Fehlentscheidungen verantwortlich, bleibt aber überzeugt, dass klare strategische Fragen auch in schwierigen Zeiten Orientierung bieten können.

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20. November 2025

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Name: Professor Thomas Hutzschenreuter, Autor, Dozent

„Die Strategieprinzipien sind zeitlos, sie lassen sich also direkt auch für die Generation Z anwenden.“


Alethea Talks: Herr Prof. Hutzschenreuter, welche Ihrer Strategieprinzipien sind für die Generation Z am entscheidendsten, um Ziele in dieser Generation zu erreichen?


Die Strategieprinzipien sind zeitlos, sie lassen sich also direkt auch für die Generation Z anwenden. Alle sieben Prinzipien sind wichtig. Im Ergebnis muss alles zusammen passen. Anfangen würde ich mit dem ersten Prinzip: dem Prinzip des Erfolgs und der Frage, was ich eigentlich will.


„Strategisches Denken bedeutet, Probleme unter Unsicherheit und Widerständen zu lösen.“


Zum deutschen Bildungssystem, von Schulen bis Unis. Was halten Sie davon? Bereitet es Studierende auf strategisches Denken und beruflichen Erfolg vor, oder versagt es?


TH: Punktuell vielleicht, aber systematisch bereitet es wenig auf strategisches Denken vor. Strategisches Denken bedeutet, Probleme unter Unsicherheit und Widerständen zu lösen. Dies steht nicht im Zentrum des Schulsystems. Dazu müsste man bei den Basics viel mehr standardisieren. Hierdurch würde dann Zeit frei werden, die man dazu nutzen könnte, das Denken zu trainieren, statt das Auswendiglernen oder das, was man „Malen nach Zahlen“ nennt.


„Aber trotzdem ist das Leben immer mit Unsicherheit verbunden. Wer Sicherheit will, sollte ins Kloster gehen.“


Direkt gefragt: Wie komme ich nach oben – in Wirtschaft, Wissenschaft oder Gesellschaft? Welche Prinzipien empfehlen Sie für einen schnellen, sicheren Aufstieg?


TH: Wie gesagt, es braucht alle sieben Prinzipien. Schnell und sicher gibt es aber ohnehin nicht. Das ist die völlig falsche Orientierung. Das wird sehr häufig in den sozialen Medien vorgespielt. Da sollte man hinter die Fassade schauen. Typischerweise will jemand mit solchen angeblichen Erfolgstories etwas verkaufen. Hände weg. Stattdessen: Fragen stellen. Alle Strategieprinzipien liefern die notwendigen Fragen hierfür. Aber trotzdem ist das Leben immer mit Unsicherheit verbunden. Wer Sicherheit will, sollte ins Kloster gehen.


„Die häufigste Ursache des Scheiterns ist mangelnde Vorbereitung, also Mangel an Strategie.“


Basierend auf Ihrer Erfahrung als Berater: Wie wandelt man ein berufliches Scheitern in einen strategischen Vorteil um?


TH: Ganz einfach. Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Man sollte die Gründe nicht (nur) bei anderen suchen, sondern fragen, was man das nächste Mal anders machen kann. Die häufigste Ursache des Scheiterns ist mangelnde Vorbereitung, also Mangel an Strategie. Habe ich vorher wirklich alles getan, was möglich gewesen wäre und nötig war?


Kommen wir zu Ethik. Wie sollten Führungskräfte ethische Anforderungen balancieren, wenn sie unter dem Druck stehen, ihre Ziele zu erreichen?


TH: Das darf eben gar kein Widerspruch sein. Meine Ziele kommen aus mir selbst. Solange ich anderen mit meinem Handeln nicht schade, ist alles okay.


„Deswegen braucht es Flexibilität. Sie ermöglicht mir, immer ein Ass im Ärmel zu haben, wenn es darauf ankommt.“


Ihre Prinzipien betonen Flexibilität. Welche persönliche Erfahrung hat Sie gelehrt, wie man in einer Welt wie der heutigen strategisch agiert?


TH: Es kommt anders als man denkt. Deswegen braucht es Flexibilität. Sie ermöglicht mir,immer ein Ass im Ärmel zu haben, wenn es darauf ankommt.


Die deutsche Wirtschaft stagniert im Q2 2025 mit einem BIP-Rückgang von 0,3 % und Investitionen, die um 1,9 % gefallen sind. Gibt es strategische Fehler von Unternehmen in dieser Lage, und welche Ihrer Prinzipien würden Sie vorschlagen, um Investitionen wieder anzukurbeln?


TH: Die Stagnation liegt vor allem an Fehlern der Politik. Unternehmen passen sich hieran an. In anderen Ländern haben wir höheres Wachstum und mehr Investitionen. Die Politik sollte konsequent die sieben Prinzipien beachten. Dann wird es auch mit dem Wachstum und den Investitionen wieder besser.


Insolvenzen steigen und Firmen bauen Stellen ab. Wie beurteilen Sie das Verhalten von Unternehmen, die auf Kürzungen setzen, und welches Ihrer Strategieprinzip empfehlen Sie?


TH: Kürzungen können richtig sein, müssen es aber nicht. Man muss hier auf den Einzelfall schauen. Genau dazu sind die Strategieprinzipien da. Ich kann mit ihnen jeden Einzelfall durchdenken und zu einer für mich richtigen Lösung kommen. Das gilt übrigens nicht nur für Unternehmen, sondern auch für jeden einzelnen von uns. Die Prinzipien helfen in jedem Lebensbereich, sei es in der Politik, in Unternehmen, im Beruf, in der Karriere, im Sport, im Militär und so weiter. 

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